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Hier wächst Wildnis in Bad Abbach - Kaisertherme bekommt eine Eh-da Fläche

24. September 2021

„Gepflegt“ sah es in den letzten Jahren rund um die Kaiser-Therme aus. Denn die kommunale Fläche entlang der Kaiser-Therme wurde mehrmals im Jahr vom örtlichen Bauhof gemulcht, das heißt das Gras wurde beim Mähen kleingehäckselt und verblieb auf der Fläche.

Zu Gunsten der Insekten wird die Pflege auf dem öffentlichen Grund entlang der Therme nun umgestellt. So soll ein kleines Insektenparadies entstehen. Die Umsetzung erfolgt dabei im Rahmen des Eh-da Flächenprojektes im Landkreis Kelheim und wird betreut von der Umsetzungsbegleitung und Biologin Michaela Powolny.

Eh-da Flächen sind kommunale Flächen die „eh da“ sind und weder landwirtschaftlich noch naturschutzfachlich genutzt werden. Das Projekt wird vom Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern (ALE) und der Regierung Niederbayern gefördert und gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Kelheim VöF umgesetzt.

Mulchmahd sieht zwar gepflegt aus, ist aber nicht insektenfreundlich. Der Grasschnitt bleibt bei der Mulchmahd auf der Fläche liegen und erstickt die meisten Wildkräuter. Zudem bringt der Mulch beim Verrotten Nährstoffe in die Fläche. Dies wiederum fördert sehr wenige aber schnellwüchsige, nährstoffliebende Arten, die dann langsam wachsende Wildkräuter verdrängen. Mehr Nährstoffe bedeuten schnelleren Wuchs, das Gras wird dicht und hoch, wodurch konkurrenzschwächere Arten das Nachsehen haben. Ein regelrechter Teufelskreis bei dem die Artenvielfalt auf der Strecke bleibt.

In Zukunft wird die Fläche an der Therme bedarfsgerecht , langsam und mit insektenschonenden Methoden gemäht. Das Mahdgut wird einige Tage liegengelassen, um Insekten die Chance zur Flucht zu ermöglichen. Danach wird Grüngut abgeräumt, so dass die Wiese langsam nährstoffärmer wird. Es klingt paradox, doch heimische Wildkräuter haben einen niedrigen Nährstoffbedarf, denn sie sind auf historische Bewirtschaftungsweisen angepasst. In früherer Zeit wurden Wiesen meist nur zweimal im Jahr gemäht, noch vor 150 Jahren war das reine Handarbeit. Danach wurde mit dem Rechen abgeräumt. Häufig hat man das Mahdgut noch auf speziellen Holzgestellen trocknen lassen. Viele Samen konnten abfallen, Insekten wurden dabei kaum in Mitleidenschaft gezogen.

Zwar kann man die alten Bewirtschaftungsweisen nicht mehr reaktivieren, dennoch gibt es auch heute technische Möglichkeiten, Artenvielfalt auf den Flächen zu fördern. Im Boden befinden sich nämlich immer noch Wildkräutersamen heimischer Pflanzen, die nur darauf warten, genügend Licht und Raum zum Keimen zu bekommen. Die Samen dieser Pflanzen können teilweise Jahrzehnte, in Ausnahmefällen sogar Jahrhunderte, im Boden überdauern. Im Lauf der Jahre wird sich durch diese Samenbank und die geänderte Pflege auf der Fläche sicher eine ansehnliche Artenvielfalt entwickeln. Das freut die Insekten, die auf solchen Flächen Nahrung, Balz- und Brutplätze finden.